Choeung Ek Memorial – Killing Field Phnom Penh

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Das Choeung Ek Memorial, das bekannteste der rund 300 "Killing Fields" in Kambodscha, erinnert wie auch das Tuol Sleng Genozid Museum in Phnom Penh an die Schreckensherrschaft der Roten Khmer. Zwischen 1975 und 1979 ermordeten die Mitglieder der maoistisch-nationalistischen Guerilla-Bewegung nach Schätzungen insgesamt mehr als zwei Millionen Menschen. Das Bestreben der Roten Khmer war es, aus Kambodscha ein agrarkommunistisches Land zu machen. Angehörige der Bourgeoisie, Intellektuelle und Gebildete wie Ärzte, Lehrer und Studenten wurden zur Zwangsarbeit auf dem Land verpflichtet oder ermordet.

Auf dem "Killing Field" in Choeung Ek wurden laut Schätzungen allein rund 17.000 Menschen grausam getötet. 8985 ihrer Leichname barg man 1980 aus 86 geöffneten Massengräbern. Um Munition zu sparen, ließen die Roten Khmer ihre Opfer mit Spaten erschlagen oder ihre Kehlen mit der scharfen Rinde der Zuckerpalme durchschneiden. Tote und noch Lebende wurden in Gruben (Massengräber) geworfen und mit Chemikalien übergossen. Ein Großteil der Opfer kam aus dem Gefängnis S-21 in Phnom Penh, in dem die Roten Khmer die Gefangenen folterten, um Informationen und Geständnisse zu erpressen. Der Transport mit dem Laster nach Choeung Ek war für die meisten der S-21-Inhaftierten die letzte Reise.

Choeung Ek – eine der bedeutendsten Gedenkstätten

Ursprünglich Obstgarten und chinesischer Friedhof, ist das "Killing Field" in Choeung Ek heute eine der bedeutendsten Gedenkstätten Kambodschas. Auf dem gesamten Gelände wird Stille erbeten. Von den einstigen Gebäuden steht keines mehr, auch die Todesinstrumente wie Spaten und Sicheln sind verschwunden. Die Bevölkerung hatte nach dem Sturz des Pol-Pot-Regimes alles Verwertbare und Nützliche an sich genommen.

Besucher in Choeung Ek, die nicht an einer Gruppenführung teilnehmen, sollten am Ticketcounter unbedingt einen Audio-Guide ausleihen. Die Geräte mit Führungen auch in deutscher Sprache kosten 4 US Dollar (zzgl. 2 US Dollar Eintritt). Zu rund zehn "Stationen", die auf dem Killing Field mit Schildern gekennzeichnet sind, bietet der Audio-Guide ausführliche Erläuterungen.

Erste Station ist der Haltepunkt der Lastwagen, wo einst die Gefangenen aus dem Gefängnis und Verhörzentrum S-21 abgeladen wurden. Manchmal waren es bis zu 300 am Tag. Die ahnungslosen Gefangenen, denen man versprochen hatte, sie würden in neue Häuser gebracht werden, wurden entweder sofort getötet oder für eine Nacht in das heute nicht mehr existierende Gefängnis gesperrt.

Fünf Meter tiefe Massengräber

Eine weitere Station ist eine mächtige Zuckerpalme, mit deren spitzkantiger und scharfer Rinde den Gefangenen die Kehle durchgeschnitten wurde. Unweit der Palme findet sich eines der zahlreichen Massengräber, in dem allein 400 Leichen gefunden wurden. Die Gräber waren bis zu fünf Meter tief, heute sind die meisten flache Mulden. Bei Regen werden noch immer Knochen an die Erdoberfläche gespült. Mitarbeiter der Gedenkstätte sammeln sie regelmäßig ein. 30 Gräber, die sich heute unter einem kleinen See befinden, konnten noch nicht geöffnet werden.

Ein Spaziergang vorbei am See, den Grabmulden und den gegenüber liegenden Reisfeldern stimmt nachdenklich und traurig. Über den Audio-Guide sind nun Berichte von Zeitzeugen und Erläuterungen zur kambodschanischen Geschichte zu hören: Da Pol Pot die Reisernte im Land verdreifachen wollte, wurden Vertriebene aus Phnom Penh zur Zwangsarbeit aufs Land geschickt. Viele von Ihnen starben an Hunger und Schwäche. Eine Zeitzeugin berichtet, dass sie von zehn Roten Khmer geschlagen und vergewaltigt wurde. Obgleich sie ein Opfer brutaler Gewalt war, werde sie heute von ihrer Dorfgemeinschaft ausgeschlossen, sagt sie.

Bunte Armbänder am Kindergrab

Nach dem Rundgang um den See ist eine weitere Station erreicht: Glaskästen mit Knochen und Kleidungsstücken der Ermordeten. Schaurig und zugleich traurig ist der Anblick eines Baumes, an dem die Roten Khmer die Köpfe von Säuglingen und Kindern zerschmetterten. Der Baum und auch das daneben liegende Kinder-Massengrab wurden von Besuchern mit hunderten bunter Glücksarmbänder versehen. Zeichen der Trauer und Anteilnahme.

Gegenüber steht der so genannte Magic Tree, eine weitere Station auf dem Killing Field in Choeung Ek. An dem Baum waren Lautsprecher angebracht, aus denen revolutionäre Musik dröhnte. Die Musik, gepaart mit dem Geräusch der Diesel-Generatoren, sollte die Todesschreie der Gefangenen übertönen.

Eine der letzten Stationen auf dem Rundgang über das Killing Field ist die gläserne Gedenkstupa mit Gebeinen und mehr als 5000 Totenschädeln. In mehreren übereinanderliegenden Vitrinen stapeln sich die Funde aus den Massengräbern bis zum Dach. Das Betreten der Stupa ist nur ohne Schuhe gestattet. Ein schmaler, kaum mehr als 40 Zentimeter breiter Gang führt einmal um die untersten Vitrinen mit Knochen und Schädeln herum.

Die Besichtigung des Choeung Ek Memorials und des Tuol Sleng Genozid Museums, dem ehemaligen Gefängnis S-21, lässt sich als Tagestour kombinieren. Tuk-Tuks in Phnom Penh kosten ab 15 US Dollar aufwärts pro Tag. Organisierte Touren mit zumeist englischsprachiger Führung können in den meisten Hotels und Reisebüros gebucht werden. Die Fahrzeit von Phnom Penh nach Choeung Ek beträgt rund 30 Minuten. Geöffnet ist die Gedenkstätte täglich von 8 bis 17 Uhr. Eintritt: 2 US Dollar, mit Audio Guide 6 US Dollar.

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mit Gudrun Brandenburg

  • Gudrun
  • Hi, ich bin Gudrun, Redakteurin, Anfang 50, lebe in Berlin, liebe Südostasien und schreibe für dich klick-kambodscha.de. In meinem Online-Reiseführer erfährst du alles, was du für deinen Kambodscha-Urlaub wissen musst. Ich wünsche dir eine tolle Reise! Schön, dass du hier bist!